Pressemittelungen

Eine Milliarde Euro für NEUSTART KULTUR

Grütters: „Hilfspakete der Regierung stellen die Weichen auf Zukunft“

Berlin, 04.07.2020: Pressemitteilung der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien

Der Koalitionsausschuss hat ein Rettungs- und Zukunftspaket Kultur auf den Weg gebracht. Für diesen „NEUSTART KULTUR“ wird aus dem Kulturetat für dieses und das nächste Jahr insgesamt rund eine Milliarde Euro mehr für den Kulturbereich zur Verfügung gestellt.
„Mit zusätzlich einer Milliarde Euro unterstützen wir den Neustart des kulturellen Lebens in Deutschland und stellen die Weichen auf Zukunft“, sagte Kulturstaatsministerin Monika Grütters. „Mit Stolz sage ich: Das ist ziemlich genau die Hälfte unseres Jahreshaushalts, der ja ohnehin in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen ist. Wir werden Kinos und Musikclubs, Gedenkstätten und Museen, Theater und Festivals und viele andere Kultureinrichtungen dabei unterstützen, nach der Corona- Zwangspause so früh wie möglich wieder ihre Tore zu öffnen. Für uns sind Erhalt und Sicherung der kulturellen Infrastruktur Deutschlands der Schlüssel, um wieder Arbeitsmöglichkeiten für Künstlerinnen, Künstler und Kreative bundesweit zu schaffen.“

Das Programm gliedert sich im Wesentlichen in vier Teile:

  1. Pandemiebedingte Investitionen in Kultureinrichtungen zur Erhaltung und Stärkung der bundesweit bedeutenden Kulturlandschaft.
    Mit diesem Baustein, der mit bis zu 250 Millionen Euro finanziert wird, geht es darum, Kultureinrichtungen fit zu machen für die Wiedereröffnung. Unabhängig davon, ob es sich um Kulturzentren oder Musikclubs, Theater oder Kinos, Messen oder Literaturhäuser handelt: Sie alle müssen Hygienekonzepte und Abstandsregeln umsetzen. Dazu zählen Online-Ticketing-Systeme, die Modernisierung von Belüftungssystemen, eine andere Besucherführung und Bestuhlung. Die Gelder kommen vor allem Einrichtungen zugute, deren regelmäßiger Betrieb nicht überwiegend von der öffentlichen Hand finanziert wird.

  2. Erhaltung und Stärkung der Kulturinfrastruktur und Nothilfen
    Im Zentrum von NEUSTART KULTUR stehen die vielen kleineren und mittleren Kulturstätten und -projekte, die vor allem privatwirtschaftlich finanziert sind. Ihnen sind die Einnahmen weggebrochen, sie müssen aber dennoch Personal bezahlen, um an neuen Programmen zu arbeiten. Durch die BKM-Hilfen sollen Kreative aus der Kurzarbeit herausgeholt werden und ihrer künstlerischen Arbeit nachgehen können.
    Außerdem wollen wir die Möglichkeiten eröffnen, neue Aufträge an freiberuflich Tätige und Soloselbständige zu vergeben. Insgesamt stehen für diesen größten Baustein des Programms bis zu 450 Millionen Euro zur Verfügung.
    Die Mittel sind nach Sparten aufgeteilt:

    • Für die Musik, also Livemusikstätten, -festivals, -veranstalter und - vermittler, gibt die BKM 150 Millionen Euro.
    • Für Theater und Tanz stehen ebenfalls 150 Millionen Euro bereit.
      Das betrifft Privattheater, Festivals, Veranstalter und Vermittler.
    • Dem Filmbereich wird mit 120 Millionen Euro geholfen. Daraus werden vor allem Kinos unterstützt und Mehrbedarfe bei Filmproduktion und Verleih finanziert.
    • Für weitere Bereiche wie zum Beispiel Galerien, soziokulturelle Zentren sowie Buch- und Verlagsszene sind 30 Millionen Euro vorgesehen.
  3. Förderung alternativer, auch digitaler Angebote
    Dafür werden bis zu 150 Millionen Euro bereitgestellt.
    Die Bereitstellung der Mittel für einzelnen Projekte soll auch vor dem Hintergrund der branchenspezifischen Kompetenz durch die Bundeskulturfonds erfolgen. Darüber hinaus wird die Digitalisierungsoffensive der BKM verstärkt. Dazu zählen “Museum 4.0“ sowie viele neue Formate und Projekte, die der Vermittlung, Vernetzung
    und Verständigung im Kulturbereich dienen.
    Kulturstaatsministerin Monika Grütters: ”Einen positiven Aspekt hatte diese Krise immerhin: „Nicht wenige Einrichtungen und Künstler haben erfolgreich alternative und digitale Wege zu ihrem Publikum gefunden. Vom Wohnzimmerkonzert zur digitalen Konzerthalle, von der Autorenlesung mit Online-Chat zur virtuellen Museumsführung - alternative, oft digitale Angebote, haben in der Krise einen Schub bekommen. Wir wollen den Rückenwind nutzen und verstärken. An dieser
    Stelle hat der Kulturbereich die Chance, stärker aus der Krise herauszukommen als wir hineingegangen sind!

  4. Pandemiebedingte Mehrbedarfe regelmäßig durch den Bund geförderter Kultureinrichtungen und -projekte
    Um bei diesen Einrichtungen coronabedingte Einnahmeausfälle und Mehrausgaben auszugleichen, die nicht anderweitig gedeckt werden können, werden bis zu 100 Millionen Euro bereitgestellt. Bei gemeinsam mit Ländern bzw. Kommunen getragenen Einrichtungen und Projekten wird der Bund seinen Anteil an der Kofinanzierung leisten.

Weiterhin sind in dem Paket Bundeshilfen in Höhe von 20 Millionen Euro für private Hörfunkveranstalter vorgesehen. Diese sind durch den Einbruch von Werbeeinnahmen schwer getroffen und haben angesichts des enormen Informationsbedarfes der Öffentlichkeit weiterhin hohe Personalkosten.
Zusammen mit den zahlreichen weiteren bereits aus dem Haushalt der BKM in die Wege geleiteten Maßnahmen wird damit allein aus dem Kulturhaushalt mehr als eine Milliarde Euro für die Milderung der Pandemiefolgen für die Kultur eingesetzt. So wurden unter anderem inzwischen 20 Millionen Euro für ein Umbauprogramm, 15 Millionen Euro für ein Zukunftsprogramm Kino, 15 Millionen Euro für Investitionen in nationale Kultureinrichtungen in Deutschland und 5,4 Millionen Euro für die deutsche Orchesterlandschaft zur Verfügung gestellt.
Grütters verwies darauf, dass zusammen mit den anderen Hilfspaketen derBundesregierung eine Unterstützung für Kreative und den Kulturbereich in Höhe mehrerer Milliarden Euro zusammengekommen sein dürfte.
So wurde zur Absicherung individueller Lebensumstände der Zugang zur Grundsicherung deutlich erweitert. Das 50-Milliarden-Programm des Wirtschaftsministers für Soloselbständige habe tausenden Betroffenen geholfen, die Mieten für ihr Kino, ihren Musikclub, ihre Buchhandlung, ihr Atelier oder ihre Galerie zahlen zu können. Auch die Gutscheinlösung für Kulturveranstalter bilde eine wichtige Brücke. Kleinere und mittlere Unternehmen wurden zudem durch rasche Liquiditätshilfen unterstützt, indem KfW-Schnellkredite bei 100-prozentiger Haftungsfreistellung durch den Bund eingeführt wurden. Viele Künstlerinnen und Künstler in Arbeitsverhältnissen profitierten in erheblichem Maße von den Regelungen des Kurzarbeitergeldes.
Wir wollen unsere einzigartige Kulturlandschaft retten und den Künstlerinnen und Künstlern eine Perspektive geben“, so Grütters. „Dafür stellen wir die Weichen auf Zukunft. Mit NEUSTART KULTUR leisten wir in Kombination mit anderen Hilfspaketen der Bundesregierung einen Beitrag, der international seinesgleichen sucht.

NEUSTART KULTUR: 5 Millionen € für den Zirkus


Hannover, 13.07.2020: Pressemitteillung der BAG Zirkuspädagogik

Im Hilfsprogramm NEUSTART KULTUR der Beauftragten der Bundesregierung für
Kultur und Medien stehen 5 Millionen Euro für den Bereich Zirkus zur Verfügung.
Kleine und große Zirkusse können ab dem 31. August 2020 Anträge für
„pandemiebedingte Investitionen“ einreichen. Das Antragsverfahren endet, wenn alle
Mittel vergeben wurden, spätestens jedoch am 31. Oktober 2020. Die Fördersummepro Antrag liegt zwischen 5.000 und 100.000 Euro. Die Verwaltung und Weiterleitung
dieser Fördermittel übernimmt die Bundesarbeitsgemeinschaft Zirkuspädagogik e.V.
Die Geschäftsführerin des Bundesförderprogramms Zirkus gestaltet Vielfalt im Rahmen
von „Kultur macht stark“ Sophia-Marie Luftensteiner betont: „Die Förderung richtet sich
dezidiert an alle Zirkusse. Traditionelle Familienzirkusse und zirkuspädagogische
Einrichtungen und Unternehmen, die nicht überwiegend öffentlich gefördert werden,
können Anträge einreichen.“
„Dass der Zirkus als eigenständige Kategorie in NEUSTART KULTUR mitgedacht
wird, ist großartig. Zirkus fällt in der Kulturförderung häufig hinten runter“, so Sven Alb
und Wolfgang Pruisken, Vorstandsmitglieder der BAG Zirkuspädagogik e.V.
Förderfähig sind pandemiebedingte Investitionen, die zur Wiederöffnung der Zirkusse
oder Umsetzung der Hygienekonzepte/Abstandsregeln notwendig sind. Dazu zählen
z.B. der Einbau von Schutzvorrichtungen, Online-Ticketing-Systeme, die
Modernisierung von Belüftungssystemen, eine
andere Besucherführung und Bestuhlung, Einbau von Sanitäreinrichtungen etc.

Corona vs. Kultur: Weg für NEUSTART KULTUR frei!

Deutscher Kulturrat begrüßt Verabschiedung des Nachtragshaushalts


Berlin, 02.07.2020: Pressemitteilung vom Deutschen Kulturrat

Der Deutsche Kulturrat, der Spitzenverband der Bundeskulturverbände, begrüßt, dass der Deutsche Bundestag heute den Nachtragshaushalt 2020 verabschiedet hat. Damit ist nun der Weg frei für das spezielle Kulturförderprogramm NEUSTART KULTUR, das im Haushalt von Kulturstaatsministerin Monika Grütters MdB ressortiert.

1.000.000.000 Euro stehen nun zusätzlich zur Förderung der Kulturinfrastruktur zur Verfügung.

Darüber hinaus können Kultur- und Kreativwirtschaftsunternehmen die anderen Förderprogramme wie beispielsweise die Überbrückungshilfen für kleine und mittelständische Unternehmen in Anspruch nehmen. Diese Hilfe ist beim Bundeswirtschaftsministerium angesiedelt.

Daneben haben die Länder spezifische Kulturförderprogramme aufgelegt. Diese Woche gab NRW bekannt,185 Millionen Euro zusätzlich für den Kulturbereich zur Verfügung zu stellen. Bayern hat einen Kultur-Rettungsschirm von 210 Millionen Euro, Baden-Württemberg hat ein Maßnahmepaket in Höhe von 200 Millionen Euro aufgelegt. Und auch die anderen Länder stellen jeweils für Künstlerinnen und Künstler, die im jeweiligen Land leben, sowie für Kultureinrichtungen, -wirtschaft und -vereine Mittel zur Verfügung.

Der Geschäftsführer des Deutschen Kulturrates, Olaf Zimmermann, sagte: „Mit der Verabschiedung des Nachtragshaushalts heute sind nun die Weichen für eine deutliche Unterstützung des Kulturbereiches gestellt. Wir sind froh, dass unsere Forderung nach einem Kulturinfrastrukturfonds, mit der Einrichtung von "NEUSTART KULTUR" aufgenommen wurde. 1.000.000.000 Euro stehen jetzt zusätzlich zu den anderen Förderung, die auch vom Kulturbereich genutzt werden können, zur Stärkung der kulturellen Infrastruktur zur Verfügung. Nun kommt es darauf an, dass die Mittel schnell und gezielt vergeben werden. Wichtig wird sein, dass die Kulturinfrastruktur nachhaltig gesichert wird, damit wieder Aufträge an Künstlerinnen und Künstler sowie Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft vergeben werden. Ganz im Sinne eines Konjunkturprogramms ist der entscheidende Moment jetzt, dass Nachfrage stimuliert wird. Jeder Einzelne kann durch die Nutzung von Kulturangeboten und den Kauf von Kulturgütern seinen Beitrag dazu leisten. Zeigen wir doch alle, wie sehr wir Kultur vermissen und lassen die Konjunktur im Kulturbereich anspringen.“